"Dort ist er!"
"Wo?"
"Ja, ich seh ihn!"
"Dort, links von der grossen Rampe"
"Ich seh nix!"
"Doch, ja, ich glaub dort..."
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Wir stehen auf der Staumauer am Ausgang des Albignatals. Die Rede ist vom "Albignageist", einer
natürlichen Felsbildung im unteren Teil des Piz Balzet - Südwestpfeilers, die wie ein riesenhaftes Gesicht aussieht.
Unsere Sonja, die Malerin, erkennt das Gesicht sofort, während einige
visuell weniger Begabte es aufgeben, in der runzligen Wand etwas sehen zu wollen.
Es dürfte sich um den einzigen Geist handeln, in dessen Gesicht man unter Beherrschung des oberen 7. Grades
herumklettern kann. Parallel dazu geht es auch leichter, einige Tage später gehen Oliver und
Andi die ganze Pfeilerroute.
In der Umgebung der Hütte finden wir ein riesiges Betätigungsfeld im Bergeller Granit vor,
Routen (fast) aller Schwierigkeitsgrade, mit sehr kurzen bis sehr langen Zustiegen, im Charakter von "sehr
domestiziert" bis "absolut abenteuerlich".
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Zwei sehr gegensätzliche Erfahrungen waren für mich einerseits die "Via Steiger"
über den Nordwestpfeiler der
Punta d'Albigna - früher moralisch anspruchsvoll, nach der Sanierung genussvoll zu gehen
und dabei von respektabler Länge; andererseits der Weg durch die Südostseite der Ago di Sciora - den
wir in Unterschätzung des Zeitaufwandes sowie der Wegfindungsprobleme nicht vollenden konnten.
Es ist einiges los auf der Via Steiger! An einem Tag hecheln unser sieben
in drei Seilschaften über den Granit, wobei manche noch von Bergführern überholt werden - nicht
gerade den freundlichsten Vertretern ihrer Zunft. Egal, auf dem Gipfel ist es vergessen, es ist eine
herrliche Tour mit einigen beeindruckend ausgesetzten Seillängen. Die geheime Schlüsselstelle
ist übrigens die Überquerung des Baches auf dem Hin- und Rückweg. Wer ihn nicht mit einigem
Zeitverlust entweder am Oberlauf oder ganz unten beim Steg nimmt,
wird unweigerlich nass.
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Auf dem Weg zur Ago di Sciora hingegen sind wir zu zweit. Es ist kurz nach 5 Uhr morgens, als Sonja und ich
von der Hütte aufbrechen, und, wie sich später herausstellt, zu spät, wenn man ohne Biwak durchkommen
will. Der Rückgang des Gletschers hat das seine dazugetan. Wo man früher zügig vorankam, arbeiten wir
uns jetzt mühsam durch endlosen lockeren Moränenschutt ins hintere Tal. Es vergehen Stunden, bis wir
endlich um den Sockel der Punta Pioda herum in das Couloir gelangen, welches erstmals einen
atemberaubenden Blick auf die Ago freigibt.
Der Einstieg in die Ostflanke gelingt uns gut, doch
nach vier, fünf Seillängen finden wir den Weg nicht mehr. Eine halbe Seillänge ist teuflisch brüchig,
einmal geht wenige Meter hinter mir eine zerfallende Felswuchtel ab. Mittag geht vorbei, es stellt
sich heraus, dass der Rückweg weit mehr Abseillängen erfordert, als wir annahmen -
ca. 200 Höhenmeter unter dem Gipfel kehren wir um. Während wir durchs Couloir absteigen, kracht es wieder
einmal. Das wäre nichts besonderes, alle zehn Minuten kracht es in dieser wilden Gegend,
weil irgendwo ein paar Tonnen Fels oder Eis zum Fall kommen. Doch diesmal ist es hinter uns.
Während wir uns noch schreiend verständigen, dem fast horizontal fliegenden Block auszuweichen,
kommt er unerwartet mit lautem Knall an einem hausgroßen, liegenden Felsen zum Stillstand, noch
fünfzig Meter von uns entfernt.
Am Rückweg löst sich die Spannung im selben Maß, wie die Müdigkeit
wächst, und die Gegensteigung zur Hütte wird zur Geduldsprobe. 13 Stunden und kein Gipfel,
nur ein Nadelstich in die Mondlandschaft des inneren Bergells, aber die Eindrücke lassen uns
nicht so bald los, ebenso der Gedanke, diese Tour unter besseren Voraussetzungen zu wiederholen und
zu Ende zu bringen.
(Christian)
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Zwei Tage nach dem Ende des "offiziellen" Kletterlagers: Wir sitzen zu
siebent bei hochsommerlich heißem Wetter auf dem Campingplatz am Malojapass.
Unser Plan ist, am Montag (da können ja nicht viele Leute sein!) über die
berühmte Nordkante auf den Piz Badile zu klettern. Auf unseren
Reservierungswunsch teilt uns der Hüttenwirt der Sasc Furä Hütte mit:
"Alles komplett". Zunächst sind wir ratlos. Wieso sind da soviele Leute?
Und alle wollen auf den Piz Badile!
Schließlich steigen wir, zusätzlich mit Schlafsack bepackt, am
Sonntag-Nachmittag vom Val Bondasca zur Hütte auf. Anfangs hat man einen
tollen Blick auf die Gipfel der Scioragruppe, dann geht es schweißtreibend
auf einem Wanderweg durch eine Steilwand hinauf. Nach dem Abendessen in der
Hütte wandern wir weiter aufwärts zum Fuß der Piz Badile Nordkante. Dort
sind die ebenen Biwakplätze schon besetzt, also richten wir uns weiter unten
einen Platz her. Bei Windstille und sternenklarem Himmel schlafen wir bald
tief und fest in unseren Daunenschlafsäcken.
Beim Frühstück ist noch stockfinstere Nacht. Da steigen schon die ersten
Seilschaften an uns vorbei zum Einstieg hinauf. Rasch packen wir unsere
Sachen und es geht seilfrei über leichte Granitplatten zum ersten Bohrhaken.
Hier steht schon ein ganzer Haufen von Leuten. Zunächst klettern alle mehr
oder weniger gleichzeitig. Nach ein paar Seillängen sind die Ersten schon
ein ganzes Stück weiter oben. Ich klettere mit Martin und wir haben das
Glück, meistens zu einem leeren Standplatz zu kommen. Hinter uns sieht es so
aus, als ob eine riesige Meute hinter uns her jagt. Wir sehen oft 5, 6 oder
7 Leute gleichzeitig an einem Standplatz - zum Glück gibt es immer große
geklebte Ringbohrhaken. Unsere Freunde sind da in dieser Meute die ganze
Tour lang immer mitten drin. Martin und ich gönnen uns keine Pause, um
unseren Vorsprung beizubehalten. Aber abgesehen vom Massenansturm ist die
Nordkante eine traumhaft schöne Klettertour in bombenfestem Granit - nur
eine Seillänge ist brüchig, die Route führt fast immer direkt an der Kante.
Unterwegs hat man eindrucksvolle Tiefblicke in die Nordostwand, wo wir auch
ein paar Kletterern in der "Cassin-Route" zuschauen können. Nach rund 7
Stunden Kletterzeit und 25 Seillängen, meist im 4.Schwierigkeitsgrad, stehen
wir am 3308m hohen Gipfel des Piz Badile. Starker Dunst verhindert zwar eine
große Fernsicht, aber bis zum Piz Bernina auf der einen und zum Comosee auf
der anderen Seite sieht man recht gut.
Der Abstieg über den Normalweg durch die Südflanke ist auch recht
anspruchsvoll. Abkletter- und Abseilpassagen wechseln einander ab. Wir
brauchen nochmals fast 3 Stunden bis zur italienischen Gianettihütte. Auch hier
gibt es keinen Lagerplatz für uns, also auf zur zweiten Biwaknacht! Vorher
konsumieren wir noch das Abendmenü - es hätte allerdings eher den Namen
"kleiner Imbiss" verdient - und zahlen dafür um die Hälfte mehr als auf der
Schweizer Hütte (wo man fast beliebig oft Nachschlag bekommt).
Der Dienstag wird ein langer Wandertag. Über viel Blockwerk und Schuttfelder
überschreitet man zwei Pässe, um zur Sasc Furä Hütte zurückzukommen. Von der im
Führer beschriebenen Eisrinne am Passo Porcelizzo ist nur noch ein
kümmerlicher Rest vorhanden. Der Passo del Trubinasca sieht zunächst fast
unmöglich steil aus - wie soll da ein Wanderweg drüberführen? Schließlich
entpuppt sich die Steilrinne als Klettersteig über leichte Felsen. Auf der
Nordseite geht es mindestens genauso steil wieder hinunter. Auf dem letzten
Wegstück queren wir leicht ansteigend am westseitigen Steilhang in der
Nachmittagssonne zurück zur Sasc Furä Hütte. Die Luft ist drückend heiß,
absolut kein Wind. Schweißgebadet kommen wir oben an. Nach einer Pause
steigen wir gleich ab zum Auto im Val Bondasca.
Eine große, klassische Alpinklettertour liegt hinter uns.
(Klaus)
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